Alamannen Wohnstallhaus

3  Das Wohnstallhaus

Auf der Grundlage der Ausgrabungen im Vörstetter Gewann „Grub“ wurde im September 2007 mit der Rekonstruktion des Wohnstallhauses auf dem Freigelände des Alamannen-Museums begonnen. Unter der Leitung des Archäologen Dr. Christian Maise entstand ein dreischiffiger Pfostenbau mit einer Länge von 16 m und 6,60 m Breite.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Wohnstallhaus ist das größte archäologisch nachgewiesene Gebäude der Vörstetter Alamannen-Siedlung (Gebäude 5 der Ausgrabung) mit dem Hauptschiff in der Mitte und den Seitenschiffen links und rechts. Die Mitte wurde als Wirtschaftsraum für die Versorgung des Viehs genutzt, in den Seitenschiffen befanden sich die Boxen für das Vieh. Die das Dach tragenden Ständer sind Eichenspältlinge, die 80 – 90 cm tief in den Boden eingelassen wurden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Grundlage dieser wohnstallhaus Ausgrabungen wurde im September 2007 mit der Rekonstruktion des Wohnstallhauses auf dem Freigelände des Alamannen-Museums begonnen. Unter der Leitung des Archäologen Dr. Christian Maise entstand ein dreischiffiger Pfostenbau mit einer Länge von 16 m und 6,60 m Breite. Die Innenpfosten sind 0,80 - 0,90 m tief in den Boden eingelassen, die Außenpfosten 0,40 – 0,50 m. Die Wandpfosten sind wie bei den Häusern der Feddersen Wierde nicht in die Wand integriert.Diese Trennung von Wand und außerhalb stehenden Wandpfosten ist auf dem Grabungsfoto deutlich erkennbar. Es ergibt sich eine durchlaufende Lehmflechtwand, die das Flechten mit den Weidenruten erheblich vereinfacht. Die Weidenruten wurden um Eichenstangen gewunden und sind mit Strohhäcksel gemischten Lehm verputzt. Als Schutz gegen Regen werden sie mit einer Kalkmilchschicht gestrichen.

Der Fußboden besteht aus gestampften Lehm. Das Haus ist unterteilt in einen Wohnbereich und einen Stallbereich für das Vieh. In der Mitte des Wohnbereiches befindet sich die Feuerstelle. Das Haus hat keinen Kamin, der Rauch entweicht durch dasschilfbedachung Dach, das mit Reet (Schilf) gedeckt wird. Das Schilf für die Dacheindeckung kommt vom Neusiedler See. Das Dach hat eine Dachneigung von 54 Grad. Die Hausecken sind leicht abgerundet, da die Wände über Eck geflochten sind. Das Haus hat drei Eingänge, an der Querseite im Stallteil einen 1,00 – 1,20 m breiten und zwischen Stall- und Wohnteil an der Längsseite zwei gegenüber liegende Eingänge von je 0,80 – 1,0 m Breite. Gleich breit ist die Innentür zwischen Viehstall und Wohnteil. Zum Stallteil hin befindet sich im Mittelschiff ein rund 1,50 m breiter, leicht erhöhter Mittelgang. Er wird auf beiden Seiten durch eine 10 – 20 cm tiefe Jaucherinne gesäumt. Die Standplätze für das Vieh reichen über den Mittelpfosten 10 – 20 cm ins Mittelschiff hinein, sind aber nur 1,50 m lang. Der Wohnbereich war in der frühalamannischen Zeit mit Betten, Truhen, Tisch und Hockern bzw. Bänken eingerichtet. Ein solches, heute ungewohntes Haus hat sich nachweislich über mehr als 1000 Jahre bewährt.

 

Die Konstruktion

Die Wandpfosten sind nicht in die Wand integriert und 40 – 50 cm tief in den Boden eingelassen. Es ergibt sich eine durchlaufende Lehmflechtwand, die das Flechten mit den Weidenruten erheblich vereinfacht. Die Weidenruten wurden um Eichenstangen gewunden und sind mit Lehm verputzt, der mit Strohhäcksel gemischt wurde. Die Außenpfosten stehen in einem Abstand von ca. 1 m. Zwischen den Wänden und dem Dach besteht eine Fuge von ca. 20 cm, die vermutlich im Herbst/Winter mit Schafwolle oder mit Stroh geschlossen wurde. Diese Konstruktion ist durch die Ausgrabung Feddersen Wierde archäologisch nachgewiesen.

 

Die Dachneigung

Die Dachneigung beträgt 54 Grad. Das Dach muss so steil sein, damit das Regenwasser möglichst schnell abfließen kann. Die Dacheindeckung besteht aus Schilf (Reet) vom Neusiedler See, in der frühalamannischen Zeit kann auch Langstroh verwendet worden sein. Die abgestufte Dacheindeckung ist die baugeschichtlich älteste Form und bei einigen Naturvölkern noch heute üblich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Innenraum

Der Innenraum ist unterteilt in einen Stall – und einen Wohnbereich. Dazwischen befand sich eine schmale Diele, die den Wohnteil mit einer Flechtwerkwand und einer Durchgangstür vom Stallbereich trennt. Um Museumsbesucher auch in Gruppen den Innenraum zeigen zu können, wurde diese Wand weggelassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Rauchabzug

Das Wohnstallhaus hat keinen Rauchabzug. Die Raumhöhe von 5 – 6 m reicht aus, um den Rauch aufzunehmen. Der Rauch zieht durch das Schilf hindurch und konserviert es dabei. Er verhindert auch möglichen Schädlingsbefall. Volkskundliche und ethnographische Beispiele zeigen, dass stets nur kleine Feuer zum Kochen und Wärmen unterhalten wurden.

 

Die Zwischendecke

Eine Zwischendecke zur Lagerung der Vorräte war im 4./5. Jahrhundert nicht üblich. Die Vorräte lagerten in den Speicherbauten. Es ist allerdings denkbar, dass es über den Stallboxen einen Zwischenboden gab.

 

Die Einrichtungsgegenstände

Die Einrichtungsgegenstände im Wohnstallhaus sind Nachbildungen von Grabungsfunden aus Oberflacht (Kreis Tuttlingen) und Trossingen. Günstige Bodenverhältnisse ermöglichten die Konservierung zahlreicher Holzgegenstände. Die Gegenstände, Ess- und Trinkgeschirr, Löffel und Kellen und Mobiliar wie Tische, Betten, Truhen, Hocker und Bänke machen deutlich, daß die frühen Alamannen Meister der Holzbearbeitung waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die meisten Gegenstände stellten die Bewohner des Alamannenhofes selbst her, nur die Drechsler und Böttcher benötigten spezielle handwerkliche Fertigkeiten und Arbeitswerkzeuge.

Das Bett auf der linken Seite des Wohnraumes wurde nach dem Grab 162 aus Oberflacht rekonstruiert, die Verzierungen wurden vom Rahmenbett der Ausgrabung Lauchheim übernommen.

Aufgrund der schmalen Konstruktion wurden solche Betten lange für Totenbetten gehalten. Inzwischen wird jedoch die Meinung vertreten, daß auch zu Lebzeiten darin geschlafen wurde. Die beiden Rundtische sind Nachbauten des Grabungsfundes aus dem sog. Leiergrab von Trossingen. Die Tischplatten sind aus einem Stück

Ahorn gedrechselt, die Beine sind aus Eschenholz. Der kleine Kindertisch mit den fünf gedrechselten Beinen ist ein Nachbau von der Ausgrabung Fallward (Niedersachsen).

 

Öffnungszeiten:

Freilichtsaison (Mai - Oktober)

Donnerstag:10 - 17 Uhr

Freitag:10 - 15 Uhr

Samstag:14 - 18 Uhr

Wintersaison (November - April):

Mittwoch:10 - 15 Uhr

Donnerstag:10 - 17 Uhr

Freitag:10 - 15 Uhr

 

Eintrittspreise:

Erwachsene:4,00 €

Ermäßigt*:2,00 €

*(Schüler, Studenten, Auszubildende

   und Behinderte mit Ausweis)

 

 

 

 

Das Museum ist

behindertengerecht.

Es verfügt über einen

Behindertenparkplatz

sowie über einen Fahrstuhl

und behindertengerechte

Sanitäranlagen.

 

Telefon: 07666 - 88 200 42

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