Alamannen Wohnstallhaus

16  Der Kräutergarten

Der Kräutergarten des Alamannen-Museums in Vörstetten wurde nach dem „Liber de cultura hortorum“ („Buch über den Gartenbau“) von Walahfrid Strabo und dem „Herbularius“ (Arzneigarten) im St. Galler Klosterplan gestaltet. Die Anlage entspricht der Rekonstruktion von H.D. Stoffler. Das Gartenbuch entstand wahrscheinlich im Kloster Reichenau und wird im allgemeinen Sprachgebrauch auch „Hortulus“ (kleiner Garten oder Gärtlein) genannt. In 444 lateinischen Hexametern beschreibt Walahfrid Strabo 24 Pflanzen, die in seinem Klostergarten wachsen.

Dazu zählen nicht nur Heilkräuter, sondern auch Speise- und Zierpflanzen (Kürbis, Lilie, Rose). Neben den Heilkräften der Pflanzen wird auch ihr Aussehen und ihre Pflege beschrieben. Die Pflanzen in unserem „Hortulus“ sind in der Reihenfolge der lateinischen Vorlage gegliedert und haben deshalb auch die Nummerierung nach den römischen Zahlen. Nach der benediktinischen Grundregel „Ora et labora“ (Bete und arbeite) schildert Walahfrid Strabo die zu verrichtenden Arbeiten im Garten, zugleich aber auch den kontemplativen Teil der benediktinischen Grundregel: die Ruhe und Freude an der geduldigen Bearbeitung der Natur der Pflanzen.

 

 

 

 

 

 

 

Bild links: Lageplan des „Hortulus“ mit den Pflanzennamen nach Walahfrid Strabo

Bild rechts: Hortulus – Rekonstruktion von H.- D. Stoffler

Walahfrid Strabo wurde 809 als Sohn des freien Alamannen Ruadhelm geboren und 825 in das Kloster Reichenau aufgenommen. Unter der Obhut des späteren Abtes des Klosters St. Gallen, Grimald, lernte Walahfrid Strabo das klassische Latein und Grundzüge des Griechischen. SeineStudien vollendete er im Kloster Fulda bei Hrabanus Maurus. Durch die Vermittlung Grimalds wurde Walahfrid Strabo am Kaiserhof in Aachen Lehrer des Königssohnes Karl (des Kahlen). 838 wurde er von Kaiser Ludwigden Frommen zum Abt des Klosters Reichenau bestimmt. Auf einer Reise nach Tours an den dortigen Königshof verunglückte Walahfrid Strabo 849 beim Übergang über die Loire tödlich.

Walahfrid Strabo steht in der Tradition der karolingischen Bildungsreform, die ihre Wurzeln in der griechischen und römischen Antike hat. Deshalb ist sein „Hortulus“ in Latein geschrieben. Schon Karl der Große hatte am Ende des 8. Jahrhunderts in der „Capitulare de villis“ auf Lateinisch Anweisungen über die anzubauenden Pflanzen in den Gärten der Königsgüter gegeben.

Der Kräutergarten ist mit einem Holz zaun umgeben, der nach einem histo-rischen Vorbild rekonstruiert wurde. Vorlage ist die 2. Werkausgabe des „Hortulus“, die von Vadianus (Joachim von Watt, 1484 – 1551) 1512 herausgegeben wurde. Diese Werkausgabe enthält einen Holzschnitt aus der Werkstatt von Albrecht Dürer, der einen mittelalterlichen Gartenzaun darstellt. In einigen Klostergärten und Freilichtmuseen findet man heute noch solche Rekonstruktionen. Im historisch rekonstruierten Kräutergarten des Alamannen-Museums in Vörstetten können sich die Besucher in die Zeit von Strabo zurückversetzen und die Kräuter betrachten, die heilen, nähren und duften. Eine Schautafel informiert die Besucher über diesen mittelalterlichen Kräutergarten.

 

 

 

Öffnungszeiten:

Freilichtsaison (Mai - Oktober)

Donnerstag:10 - 17 Uhr

Freitag:10 - 15 Uhr

Samstag:14 - 18 Uhr

Wintersaison (November - April):

Mittwoch:10 - 15 Uhr

Donnerstag:10 - 17 Uhr

Freitag:10 - 15 Uhr

 

Eintrittspreise:

Erwachsene:4,00 €

Ermäßigt*:2,00 €

*(Schüler, Studenten, Auszubildende

   und Behinderte mit Ausweis)

 

 

 

 

Das Museum ist

behindertengerecht.

Es verfügt über einen

Behindertenparkplatz

sowie über einen Fahrstuhl

und behindertengerechte

Sanitäranlagen.

 

Telefon: 07666 - 88 200 42

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